Im Vergleich: Steadycam vs elektronischer Gimbal

Steadycam vs Gimbal – welches Stabilisierungssystem gewinnt? Lange Zeit war die Steadycam die einzige, wirkliche Möglichkeit, Plansequenzen mit stabilisierten Kamerafahrten zu erstellen. Doch die neuen Entwicklungen auf dem Markt könnten nun genau diese Vormachtstellung der Steadycam anfechten. Kann sich die Steadycam noch gegen ihre High-Tech-Kontrahenten behaupten? Obwohl sich dieser Blogeintrag bei weitem nicht in Gänze mit dem Thema befassen kann, gibt er doch einen Denkanstoß und vergleicht beide Systeme miteinander.

Was ist eine Steadycam eigentlich?

Daher die Steadycam ist eine auf den Grundfesten der Physik basierende, mechanische Aufhängung für die Kamera, welche es den Filmschaffenden erlaubt, den Körper des Kameramanns von der Kamera zu lösen. Dadurch kann der Kameramann wackelfreie Kamerafahrten erstellen, ohne an Dollyschienen gebunden zu sein. Die Kamera hängt mittels eines Kardangelenks frei vom Kameramann.

Wenn der Kameramann die Kamera in der Hand hält, kann kein Kameramann der Welt eine ruhige, nahezu schwebende Kamerafahrten erzeugen. Die Bewegungen, die Kammeramänner beim Laufen machen, übertragen sich zwangsläufig auf die Kamera, egal wie sanft man die Kamera führt, man hat immer eine gewisse Grundbewegung im Bild. Man erfand die Steadycam, um genau dieses Manko des menschlichen Körpers zu umgehen. Dies erreicht man in mehreren Schritten:

Außerdem zunächst eliminiert eine Weste mit Federarm die Bewegung der Beine. Die Federn im Federarm fangen die Auf- und Abbewegung der Beine beim Laufen auf. Dadurch überträgt sich diese nicht mehr auf die Kamera.

Danach wird mit Hilfe eines Kardangelenks die Kamera von der Hand des Kameraoperators losgelöst. So gelangen keine ungewünschten Bewegungen mehr auf die Kamera.

Deshalb zu guter Letzt balanciert man die Kamera mit Gegengewichten aus. Nun reagiert sie nur noch auf ihr Trägheitsmoment. Die Kamera löst sich nun vom Körper des Kameramanns, doch der Kameraoperator kann sie noch immer durch subtile Impulse in die richtige Richtung lenken.

Steadycam vs Gimbal – Kameramann Daniel Schnelting bei einer stabilisierten Kamerafahrt

Die Verbesserung von Plansequenzen durch die Verwendung von Steadycams

Die um 1970 von Gerret Brown entwickelte Steadycam, erlebte in den darauffolgenden Jahren eine immer bedeutendere Stellung in der Filmproduktion. Ein Vorreiter unter den Regisseuren war Stanley Kubrick. Er machte mit Filmen wie „The Shining“ die Steadycam erst wirklich salonfähig. Kubrick nutze die großen Vorteile der Steadycam, um einzigartige Szenen zu erschaffen.

Darüber hinaus unvergessen wird wohl für immer die Szene aus „The Shining“ bleiben, in der Danny Torrance, der kleine Junge, auf seinem Dreirad durch das riesige Anwesen des Overlook Hotels fährt. Die Kamera verfolgt ihn dabei konstant – ohne einen einzigen Schnitt – durch das Gebäude. Diese sogenannten „Plansequenzen“ haben im Vergleich zum normal gedrehten, also geschnittenen, Filmen eine komplett andere Wirkung.

Während Schnitte im Film zwar Kontinuität bewahren, machen sie dem Betrachter bei jedem Schnitt klar, dass es sich „nur“ um einen Film handelt. Schnitte reißen den Zuschauer aus der Szenerie. Man fühlt sich weniger als Person im Geschehen, sondern eher als Betrachter von außen.

Zudem ohne Schnitte fühlt sich der Betrachter eher wie eine Person mitten im Geschehen. Der Film zieht den Zuschauer viel stärker hinein und erzeugt ein intensiveres Gefühl zu den Darstellern und zur Situation.

Das Prinzip der Steadycam aufgreifen und mit moderner Technologie verbessern

Doch genug mit Physik! Nun kommen wir zu den elektronischen Gimbals. Das Prinzip hierbei ist dem der Steadycams sehr ähnlich – wenn nicht sogar gleich – die Umsetzung funktioniert nur anders.

Folglich auch bei den elektronischen Gimbals lautet der Grundgedanke wie bei den Steadycams: die Kamera von den Bewegungsstörungen des Kameramanns zu lösen. Dazu nutzt man ebenfalls Kardangelenke (eng. Gimbal), allerdings kommt hier modernste Technik ins Spiel. Bei Steadycams sorgen Gewichte, Gegengewichte und die Schwerkraft dafür, dass die Kameras wie schwebend durch den Raum fliegen. Bei elektronischen Gimbals hingegen erzeugen Sensoren und Elektromotoren Ausgleichbewegungen für den gleichen Effekt.

2012 kamen erstmals Gimbalsysteme auf den Markt, die das Budget einer mittelständischen Filmproduktionsgesellschaft nicht überschritten. 2014 wurde auf der NAB dann der Ronin von DJI vorgestellt. Dieses Gimbalsystem bietet einer Filmproduktion alle Vorteile, die eine gute Steadycam bietet und noch mehr.

Dennoch als Erstes stabilisiert ein System die Kamera – das DJI aus ihrem Sortiment für Flugaufnahmen übernommen hat – stabilisiert. Das ist auch bei der Steadycam nicht anders. Aber der Ronin macht noch mehr und eröffnet bisher undenkbare Möglichkeiten, durch seine Kompaktheit.

Das Gerät besteht nämlich einzig und alleine aus der Platte, auf der die Kamera befestigt ist, drei Achsen inklusive der Elektromotoren und Sensoren, die man zur Stabilisierung benötigt, sowie Haltegriffen für den Kameramann. Das System ist auf das Nötigste reduziert- was in diesem Fall ganz und gar nicht negativ zu betrachten ist!

Vorteile eines solchen Gimbalsystems

Allerdings bei einer Steadycam ist es von Nöten, dass beim Wechsel des Objektivs oder der Kamera das gesamte System neu austarieren. Wer das mal bei einer Steadycam gemacht hat, weiß wie genau man dabei sein muss und wie zeitaufwendig das mitunter sein kann. Das Gimbalsystem ist mit seiner Sensorik so ausgelegt, dass es sich selbst austariert. Per Knopfdruck sorgt das System dafür, dass der Computerchip richtig auf die neue Kamera und/oder das neue Objektiv reagiert.

Bei der Steadycam jedoch führt schon der kleinste Fehler beim Austarieren zu einer instabilen Aufnahme. Dann muss man die ganze Szene neu drehen. Insbesondere bei Plansequenzen belastet das sowohl das Set als auch den Kameramann enorm. Denn die Steadycam wiegt einiges und der Kameramann trägt die volle Last.

Gewicht und Handhabung der Gimbals

Beispielsweise das bringt mich direkt zum nächsten, großen Vorteil eines Gimbalsystems: Das Gimbalsystem ist ein Fliegengewicht im Vergleich zur Steadycam. Es ist demnach eine körperliche Erleichterung für den Kameraoperator.

Das Gewicht und die oben erwähnte Kompaktheit des Gimbals hat allerdings noch einen weiteren sehr bedeutenden Vorteil. Man kann den Gimbal in nahezu allen denkbaren Situationen einsetzen. Dazu ein kurzer Einblick hinter die Kulissen des Werbeclips für den DJI Ronin:

Insbesondere https://www.youtube.com/watch?v=XlqVABCrX5A

©DJI Quelle: Youtube

Hier drehte das Team, wie im Video erwähnt, einen „One Shot“ – also einen Clip komplett ohne Schnitte von Szenerie zu Szenerie. Darüber hinaus zeigt unser Werbefilm für Kreckler Regalsysteme eindrucksvoll, wie moderne Kameratechnik in der Praxis eingesetzt wird.Das Paradebeispiel für eine Plansequenz. Dabei kommt vor allem das Leichtgewicht und die Kompaktheit des Ronins zum Tragen. Zum einen konnten die Kameramänner die Kamera von Kameramann zu Kameramann weitergeben, ohne eine sichtbare Verwackelung. Zum anderen konnte das Team die Apparaturen wechseln, mit denen es die Kamera bewegte. So konnte die Kamera durch Fenster durchgereicht werden, an einem Seilzug eine Treppe herunterschweben und zu guter letzt auf einen Kamerakran, der an einem Auto befestig war, montiert werden und das Ganze ohne einen einzigen Schnitt. Schärfe und Bildausschnitt steuerte dabei ein weiterer Kameraoperator.

Gibt es Nachteile bei elektronischen Gimbalsystemen?

Die Frage ist relativ einfach zu beantworten: Ja.

Und dieser kann sehr deutlich werden, wenn man einen Dreh im Freien hat, abseits der Zivilisation – ergo abseits einer vorhandenen Stromquelle. Denn auch diese Technik, die Ausgleichbewegungen ausführt und berechnet, würde keine einzige Bewegung machen können, ohne dass die gute alte Physik nicht wäre – die Motoren, Sensoren und Prozessoren brauchen Strom.

Was gleichzeitig der größte Segen eines solchen elektronischen Systems ist, könnte sein größter Schwachpunkt sein. Durch die extra leichte Bauweise spart man natürlich dort, wo es möglich ist. Akkus sind in der Regel recht schwer. Je nach Dreh kann es vorkommen, dass man eine Szene 10 oder sogar 20 Mal dreht. So kommt man leicht auf eine Drehzeit von 4 Stunden. In Abhängigkeit der Szene müssen mehr Ausgleichbewegungen ausgeführt werden, somit verbrauchen die Motoren mehr Strom. In der Wildnis findet man leider meist keine Steckdosen, um seine Akkus wieder aufzuladen. – Wenn man davon ausgeht, dass man keinen Generator am Set hat. Und bei einem Dreh im Freien ist man meistens nur mit dem Nötigsten unterwegs, das Motto lautet: „travel light“

Wann bleibt die Steadycam überlegen?

Denn in solchen Situationen ist die gute alte Steadycam wohl noch immer des Kameramanns bester Freund. Sie ist unabhängig vom Strom, weil sie nur auf den Grundfesten der Schwerkraft basiert. Schwer und anfällig für Wind, nicht kompakt und beim Wechsel der Optik muss der gesamte Apparat neu austariert werden, aber sie ist vollkommen unabhängig vom Strom.

Zudem ist der Umgang mit den Gimbals trotz ihrer Leichtbauweise, über längere Zeiträume recht anstrengend. Der Kameramann muss das gesamte Gewicht des Rigs mit seinen Armen halten. Lange Drehs sind deswegen durchaus anstrengend für Kameramänner. Auch hier gibt es zwar die Möglichkeit den Kameramann zu entlasten, indem man den Gimbal an Easyrigs aufhängt und ein Teil des Gewichtes auf die Wirbelsäule des Kameramanns umverlagert, doch hat das auch seine Nachteile. Denn die Freiheit, die man gerade durch das Benutzen des Gimbals erhält nimmt man sich dadurch wieder ein Stück weit. Das Easyrig schränkt den Kameramann in seiner Freiheit ähnlich ein, wie die Weste bei der Steadycam.

Fazit: Steadycam vs Gimbal

Somit ob sich die neuen Gimbals gegen die Steadycam und einen erfahrenen Steadycamoperator durchsetzen können, bleibt abzuwarten. Im Vergleich Steadycam vs Gimbal erleben beide Systeme immer weitere technische Verbesserungen. Welche Technologie sich letztlich durchsetzt – oder ob sich überhaupt eine durchsetzt – steht noch in den Sternen der Filmemacher. Beide Systeme haben ihre Vor- und Nachteile und vielleicht werden beide Technologien auch weiterhin nebeneinander existieren.

Dass die Steadycam allerdings in den nächsten Jahren vom Markt verschwinden wird, kann ich mir kaum vorstellen. Wahrscheinlich bleibt es wie mit der Dolly, denn diese ist nach wie vor nicht aus der Filmwelt wegzudenken, auch wenn es die Steadycam oder Gimbalsysteme gibt.

Schließlich ob nun Gimbal oder Steadycam. Bei uns kommen Sie jedenfalls zum bestmöglichen Ergebnis. Falls Sie ein Event oder Werbefilm in Planung haben, wenden Sie sich gerne an uns. Einfach nur ein Knopfdruck.

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